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Was Radfahren mit Gewohnheiten zu tun hat? Jede Menge...

Nach-Gedacht

Vor einigen Tagen habe ich meinen ersten Alexandertechnik-Kurs für die Volkshochschule gegeben. So ein erstes Mal ist ja immer eine spannende Sache! Es hat aber alles gut geklappt: meine Aufregung hielt sich in Grenzen, der Raum war schön und geeignet, die Teilnehmenden pünktlich und interessiert. Und ich wage jetzt mal die Behauptung, daß wir alle Spaß hatten an dem Abend. Weshalb mich das Ganze dann heute noch beschäftigt? Wegen einer Frage, die ein Teilnehmer gestellt hat.

Gewohntes

Es ging um das Thema Gewohnheiten, um’s Radfahren, Aufsteigen IMMER von links. Da ich eine große Freundin des Experiments bin, plädierte ich dafür, es doch auch mal von der anderen Seite zu probieren. Und dann kam die Frage: „Warum sollte ich das tun? Ich muß es doch gar nicht von beiden Seiten können!“ Gut, ich hab’s dann auf die Schnelle mit „Spaß haben“ und so begründet, aber das Thema hat mir keine Ruhe gelassen.

Oder Neues?

Also: warum sollten wir etwas, das wir bereits können, anders machen? Irgendwann bei meinem Nach-Denken darüber ist mir dann u.a. klar geworden, wie sehr mein Umgang mit Gewohnheiten meine Denkstrukturen insgesamt beeinflußt. Denn um jetzt mal ein paar neurologische Erkenntnisse der letzten Jahre in meiner höchst eigenen Simplizität zusammenzufassen: je öfter ich etwas tue, desto ausgeprägter ist die entsprechende Struktur in meinem Kopf, in den dortigen neuronalen Netzen. Wenn ich also hunderttausend Mal von links aufs Rad gestiegen bin, dann ist die entsprechende Spur im Hirn quasi eine achtspurige Autobahn, inklusive Stau zu bestimmten Zeiten. Wenn ich es jetzt aber mal von rechts probiere…

Hah! Jetzt wird’s spannend, jetzt müssen sich nämlich auf einmal völlig neue Bereiche verknüpfen! Da ist noch keine Straße, die muß ich erst mal anlegen. Da bin ich quasi in der Fremde unterwegs… Und wie immer in solchen Situationen kann sich das mitunter ziemlich gruselig anfühlen. Aber – Achtung, meine Meinung – es lohnt sich! Denn das Neue bietet auch IMMER etwas, das seeeehr bereichernd für uns ist. Tolle neue Landschaften zum Beispiel und berührende Begegnungen, jede Menge spannende Erkenntnisse über mich selbst… Da bin ich nun doch wieder bei meiner ursprünglichen Antwort! Spaß haben eben 🙂

Danke an die Echinger VHS und die Kurs-Teilnehmer!

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Über- oder unterfordert?

Wenn Sie mal so ganz allgemein über menschliche Körper nachdenken… Welche Teile sind Ihrer Meinung nach oft unterfordert?

Falls Sie jetzt spontan „Der Kopf!“ geantwortet haben, würde ich Sie bitten, vielleicht noch mal über meine Frage nachzudenken. Nicht, daß Sie da von sich auf andere schließen 😉 Sie können auch einfach auf das Bild schauen, dann sehen Sie gleich, worauf ich hinaus will. „Oh, die Füße!“sagen Sie nun vermutlich, „Ist da nicht immer von Überlastung die Rede? Von Senk-, Spreiz- und Plattfüßen oder anderen schmerzhaften Dingen?“ Ja… aber lassen Sie uns mal gemeinsam weiter überlegen.

Anatomisches

So ein Fuß besteht in der Regel aus 26 Knochen und Unmengen an Sehnen und Bändern und Muskeln. Details verrät Ihnen gerne Wikipedia. Es gibt ein Längs- und ein Quergewölbe, Ihre Füße berühren im Idealfall an drei Punkten den Boden: mit dem Ballen unterhalb des großen Zehs, dem gegenüberliegenden Ballen unter dem kleinen Zeh und mit dem Fersenbein. Das ist der kurze, kräftige Knochen hinter Ihrem Sprunggelenk. Noch idealer wäre es, wenn sich Ihr Körpergewicht gleichmäßig auf diesen Punkten verteilt. Tut es nicht? Nun, dazu gibt es Alexanderlehrerinnen 🙂

Alltag

Okay, drei Punkte. Und wozu all das andere? Na, für Beweglichkeit natürlich! Aber jetzt kommt Ihr Alltag: Sie haben ein Faible für schicke Schuhe. Oft jede Menge Autofahrten oder öffentliche Verkehrsmittel, häufig ein Job am Schreibtisch, ab und zu mal ein paar Wege oder Treppen zu Fuß, alles ist asphaltiert oder betoniert. Gut, Sie machen Sport, allerdings meistens drinnen. Oder doch mal raus, am Wochenende in die Berge. Was tragen Sie da für Schuhe? Ah, die tollen Wanderstiefel mit der festen Sohle und dem schönen hohen Rand, die Ihre Knöchel vor dem Verstauchen schützen. Und nun betrachten Sie die Situation doch bitte noch mal aus dem Blickwinkel Ihrer bewegungshungrigen Füße – ahnen Sie was? Genau, massive UNTERFORDERUNG.

Anders

Was ich Ihnen deswegen an’s Herz legen will: Suchen Sie das Abenteuer im Alltag. Fragen Sie sich, ob die neuen Schuhe Ihren Füßen genug Spielraum lassen. Ist die Sohle so, daß der Untergrund der Straße spürbar wird? Überhaupt, welche Straße? Gibt’s neben der glatten, öden, asphaltierten vielleicht auch einen holprigen Trampelpfad? Den wollten Sie doch bestimmt immer schon mal erkunden! Und braucht es bei jedem Ausflug in die Berge tatsächlich schon die Wanderstiefel? Trauen Sie sich und Ihren Füßen doch mal mehr Beweglichkeit zu und gehen in Turnschuhen los. Sie werden sehen und spüren, wie Ihre Füße wieder zu leben beginnen. Wie die Muskulatur stärker wird, nicht nur in den Füßen. Und wie die Beweglichkeit zunimmt.

Ums kurz zu machen: Beweglichkeit macht Spaß. Ich wünsche Ihnen ganz viel davon 🙂

Ihre Claudia Heinelt

Alexander….was?

Ratlosigkeit, Schweigen. Oft auch ein neugierig-fragendes „Ach ja, das ist doch…?“. Und eben „Alexander… was?“

So klingen die meisten Reaktionen, wenn ich gefragt werde, was ich denn so beruflich mache. Meine Antwort: Ich bin Lehrerin für Alexandertechnik. Ja, das ist ziemlich exotisch, es gibt nicht so viele von meiner Sorte. Gut, ich versuch’s mal auf die Schnelle. Ich beschäftige mich mit Themen wie Selbst-Gebrauch, Innehalten und Balance, erforsche Qualität in Bewegungsprozessen, denke viel über anatomische Details nach. Sehe ich da immer noch ein ratloses Gesicht bei Ihnen? Zu Recht 🙂

Der Erfinder der Alexandertechnik: Frederick Matthias Alexander (1869 - 1955)

Der Erfinder der Alexandertechnik: Frederick M. Alexander (1869 – 1955)

Aber das ist tatsächlich die Krux mit der Alexandertechnik: so ein paar Schlagworte sind nicht wirklich erhellend.  Auch im Gespräch suche ich oft nach passenden Erklärungen. Was mir nicht immer gelingt, häufig löse ich noch mehr Fragezeichen beim Gegenüber aus. Das kann für alle Beteiligten anstrengend sein. So hat mir mal ein Kollege gestanden, daß er auf die Frage nach seinem Beruf auch schon „Tischler“ geantwortet hat. Da wissen dann alle, woran sie sind…

Ich für meinen Teil habe beschlossen, daß ich es stattdessen mit diesem Blog probieren möchte. Ein Experimentierfeld für Fragen und Erklärungen, für Berichte aus dem alexandrischen Alltag, für Projekte, die mir am Herzen liegen. Und ein Raum, um hoffentlich auch mit Ihnen über das Alexanderthema in’s Gespräch zu kommen? Ich freue mich darauf.

Herzlich, Ihre Claudia Heinelt